Info-Center / Angsterkrankungen
Angst als Krankheit
Treten Ängste zu stark, zu häufig oder situativ unangemessen auf, spricht man von krankhafter Angst und je nach Symptomen kann man nach verschiedene Angsterkrankungen unterscheiden.
Biologische Grundlage der Angst
Für die Entstehung von "normaler" Angst sind bestimmt Regionen unseres Gehirnes verantwortlich, welche in Abstimmung zueinander die Wirksamkieit der an sich wichtigen "Schutzfunktion" Angst beeinflussen.
Erkennen wir nun Gefahr, wird diese Information direkt in die "Alarmzentrale" unseres Gehirns geleitet, welche wiederum innerhalb weniger Sekunden unser Fühlen, Denken und Handeln verändert. Ohne, dass wir es beeinflussen können, geht in einem eng umschriebenen Gebiet unseres Gehirns (sog. Mandelkern) die Alarmsirene an. Zeitgleich werden Systeme aktiviert, die unseren Körper auf Kampf und Flucht einstellen. Mittels Botenstoffe (Adrenalin, Serotonin) und Stresshormonen werden darüber hinaus der Blutdruck und die Schweißproduktion gesteigert, es wird der Herzschlag beschleunigt und die Muskulatur angespannt.
Dem gegenüber steht das System der Angstkontrolle (die Vernunft), welches etwas langsamer arbeitet als das Alarmsystem. Sachliches Denken wird im vorderen Bereich des Gehirns geleistet. Hier wird das Angst auslösende Ereignis genauer betrachtet. Es wird unter anderem im Gedächtnis rasant schnell nach vergleichbaren Situationen gesucht, die wir schon einmal erlebt haben. Sollten hier positive Erinnerungen vorhanden sein, wird das Alarmsystem sofort heruntergefahren und die Angst verschwindet.

Krankhafte Angst
Bei Betroffenen von Angsterkrankungen ist das Zusammenspiel von Angst- & Angstkontrollsystem gestört. Das Alarmsystem ist ständig "auf der Hut", obwohl keinerlei äußeren Umstände hierfür vorliegen. Die Systeme, die den Körper auf Kampf und Flucht einstellen sind ständig aktiviert. Dies zeigt sich in einem anhaltenden Gefühl der Sorge, inneren Unruhe und Anspannung.
Nach heutigen Erkenntnissen basieren Angsterkrankungen auf einem instabilen Gleichgewicht der Systeme, die für Alarm, Warnung und Entwarnung verantwortlich sind.
Möglich ursächliche Faktoren hierfür sind:
- Die "Alarmzentrale" (Mandelkern) ist überaktiv.
- Das komplette Warnsystem ist zu sensibel "eingestellt" und reagiert auf kleinste Ereignisse viel zu heftig.
- Das beruhigende Angstkontrollsystem (Vernunft) ist zu schwach "eingestellt", so dass die Entwarnungen schlichtweg nicht wahrgenommen werden können und somit keinerlei Wirkung zeigen.