Info-Center / Depressionen

 

Hilfe durch den Lebenspartner

Grundsätzlich sind auch für den Lebenspartner eines depressiv erkrankten Menschen die Ausführungen unter dem Menüpunkt "Hilfe durch Angehörige und Freunde" von Interesse. Darüber hinaus haben wir hier einige weiterführende Empfehlungen zusammengestellt:

 

Verhaltensempfehlungen für Partner von Depressiven

  • Die negativen Empfindungen des Depressiven (z.B. Unlust, Schlaflosigkeit, körperliche Beschwerden ...) bitte nicht in´s Lächerliche ziehen, bagatellisieren oder ausreden. Hüte Dich vor "plattem Trost" oder trivialen Aufmunterungen (Das wird schon wieder, Du schaffst das schon ...). Betreibe keine weiteren Aufheiterungsversuche, wenn erste Versuche nicht gefruchtet haben.
  • Betrachte die Hoffnungslosigkeit Deines depressiven Partners als ein Zeichen seiner Erkrankung und gebe ihm eine realistische Hoffnung auf ein Ende seiner Depression.
  • Appelliere nicht an seinen Willen. Sage auf keinen Fall er solle sich zusammennehmen und dass er schon könne, wenn er nur wolle. Lass ihn vielmehr spüren, dass er kein Versager ist und dass er an seiner momentanen Situation keinerlei Schuld trägt.
  • Appelliere nicht an Tugenden wie Glaube oder Verantwortung.
  • Nehme Deinem depressiven Partner Entscheidungen ab, die für ihn offensichtlich qualvoll sind. Er benötigt ruhige, sichere Führung. Organisiere (wenn nötig) auch Arztbesuche und begleite Deinen Partner dorthin.
  • Lasse ihn auf keinen Fall lebenswichtige Entscheidungen (z.B. Berufswechsel, Scheidung, Trennung, Kinder bekommen ...) während der depressiven Phase treffen.
  • Außer bei einer schweren Depression sollte der Depressive nur angemessen im Beziehungs- und Berufsbereich entlastet werden. Verhüte einschneidende Veränderungen der bisherigen Lebensgewohnheiten.
  • Zeige Einfühlungsvermögen und Verständnis, wenn der Depressive Probleme hat, etwas zu tun. Unterstütze ihn jedoch dabei, dass er eigene und machbar angesetzte Aufgaben erfüllt. Mache Deinem depressiven Partner sachlich auf alles Aufmerksam, was ihm gelungen ist. Vermeide hierbei aber einen triumphierenden Tonfall.
  • Achte unbedingt auf einen klar strukturierten und regelmäßigen Tagesablauf (z.B. aufstehen, arbeiten, essen, zu Bett gehen ...). Behalte diesen auch an Wochenenden und Feiertagen bei.
  • Unterstütze Deinen depressiven Partner, dass er morgens nicht im Bett liegen bleibt und am Abend nicht zu früh in´s Bett geht. Achte darauf, dass er sich während des Tages nicht völlig isoliert.
  • Unterstütze ihn, sich regelmäßig (ca. 1mal täglich 15-30 Minuten) an der frischen Luft zu bewegen. Begleite Deinen Partner dabei. Der positive Nebeneffekt ist, dass Du somit auch etwas für Deine eigene Gesundheit tust.
  • Fördere die selbständige Körperpflege des Erkrankten.
  • Bei weniger schweren Depressionen könnte die Atmung angeregt werden (z.B. durch Atemtherapie und Schwimmen). Spezifische Massagen (z.B. Nacken, Bauch ...) können auch helfen.
  • Zeige Verständnis, dass sexuelle Gefühle während der Depression schwinden oder sogar verschwinden.
  • Lasse Dich nicht entmutigen, wenn Du merkst, dass Dein Partner negativ reagiert und eine Abwehrhaltung einnimmt. Ziehe Dich bitte nicht zurück, wenn die Kommunikation nicht so gut funktioniert.
  • Vermeide vorgespielte Fröhlichkeit oder Aktionismus im Zusammensein mit dem Depressiven.
  • Vermeide Äußerungen, die den Depressiven lächerlich machen könnten, die in ihm Schuldgefühle wecken könnten oder ihn gar bloßstellen. Mache keine Vorwürfe oder Vorhaltungen. Bedenke bitte, dass er sehr empfindsam und verletzbar ist und dazu neigt herauszuhören, dass er nichts Wert sei.
  • Der Sinn für Humor geht in der Depression oftmals verloren. Sei also vorsichtig mit Ironie und Sarkasmus.
  • Gehe nicht auf Grübeleien über vergangene Ereignisse ein. Lenke die Gedanken möglichst auf die Gegenwart und das aktuelle Empfinden.
  • Sollte Dein Partner weinen können (was viele Depressive nicht können), fördere ihn dabei, dass er sich ausweint. Unterstütze auf keinen Fall seine Tendenz, dass er immer Selbstbeherrschung von sich verlangt.
  • Unterstütze kreativen Selbstausdruck (Malen, Musik, Tanzen ...) nur dann, wenn der depressive Partner selbst danach Verlangen empfindet.

 

Diese Empfehlungen werden natürlich nicht in allen Bereichen auf jeden Einzelfall zutreffen. Betrachte dies lediglich als Empfehlungen, welche Du individuell auf Deine Situation anpassen kannst.

Diese Empfehlungen findet Ihr auch im Forum als PDF-Datei zum Herunterladen.

Praktische Hilfestellungen im akuten Fall, findest Du weiterhin unter dem Menüpunkt "Soforthilfe".

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