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Suizidgefährdung

Übersicht:

 

Allgemeines

Untersuchungen belegen, dass 40 bis 60 Prozent der Menschen, die sich jährlich in Deutschland das Leben nehmen, zum Zeitpunkt ihres Suizides an einer Depression leiden.

Selbst von den Depressiven, die in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden oder wurden, sterben heute noch bis zu 15 Prozent durch Suizid.

Todeswünsche und Selbsttötungsideen findet man bei cirka 60 % aller stationär behandelten depressiven Menschen.

Angehörige, Freunde und Ärzte müssen demnach Äußerungen von Todeswünschen und Selbsttötungsabsichten absolut ernst nehmen.Die Gefahr ist real, auch wenn man das als Gesunder überhaupt nicht nachvollziehen kann.

Geht eine Depression mit Wahnvorstellungen einher, wie z.B. mit dem Gefühl von Straferwartung, von elendigem Zugrundegehen, Verarmung und Katastrophe der Familie, oder liegt Hoffnungslosigkeit vor, dass einem nicht mehr geholfen werden könne, ist von einem erhöhten Suizidrisiko auszugehen.

Suizidgefährdung erkennen

Wichtige Anzeichen sind direkte oder indirekte Ankündigungen wie etwa Äußerungen über Hoffnungslosigkeit, nicht mehr leben wollen, keine Freude mehr am Leben haben ...

Typische Äußerungen sind dann:

  • "Wenn ich nicht mehr arbeiten kann, tauge ich nichts mehr, und es ist das Beste, ich tu mich weg."
  • "Jetzt hat sie/er mich verlassen, ich bin ihr/ihm nichts mehr wert. Mich mag sowieso keiner, ich bin keinem etwas wert, ich bin nichts wert. Das Beste ist, ich bringe mich um."
  • "Einschlafen ja, nicht mehr aufwachen. Selber was tun, das würde ich nicht, das kann ich nicht. Ja, ich habe schon daran gedacht, mich umzubringen, wenn das nicht besser wird."
  • "Es ist das Beste für meine Familie, wenn es mich nicht mehr gibt. Ich bin doch nur eine Last. Dann kann meine Frau/mein Mann einen neuen Partner finden und für die Kinder ist gesorgt."

Auch Vorbereitungshandlungen, bisher veräumtes in Ordnung zu bringen, das Verfassen von Testamenten, die Klärung von Versicherungsangelegenheiten u.s.w., können direkte Hinweise auf Suizidgefahr sein.

Suizidverhütung

Leider haben viele Menschen Hemmungen, direkt nach Selbstmordgedanken zu fragen. Jedoch stellt das direkte und ernsthafte Fragen die einzige Möglichkeit dar, sich eine Übersicht über die konkreten Umstände zu verschaffen.

Ein Nachfragen sollte sehr konkret, direkt und dennoch einfühlsam erfolgen. Hierzu zwei Beispiele:

  • "Ich nehme wahr, dass es dir schlecht geht und du machst auf mich einen hoffnungslosen Eindruck. Hast du schon einmal überlegt, deinem Leben ein Ende zu setzen und dir das Leben zu nehmen? Gibt es etwas oder außer mir noch jemanden, der dir in dieser Krise hilfreich zur Seite stehen kann?"
  • "Du erscheinst mir hoffnungslos. Hast du schon einmal daran gedacht, dir das Leben zu nehmen? Wie ist es jetzt? Ich mache mir Sorgen und ich überlege, wie ich dich unterstützen kann, wieder neuen Lebensmut zu fassen. Hast Du eine Idee, wie ich das tun könnte?"

Tatsache ist, dass Depressive meist froh darüber sind, auf ihre Selbstmordgedanken angesprochen zu werden, da sie es von sich aus nicht schaffen.

Hilfsmaßnahmen

Vorsicht vor Verharmlosungen durch den Depressiven! Hier besteht die Gefahr, dass man sich über das Ausmaß der Gefährdung täuscht und somit notwendige Maßnahmen unterbleiben. Sei sensibilisiert, entwickle "Antennen" und leite Soforthilfemaßnahmen ein, wenn Du Gefahr witterst:

  • Schaffe eine Gesprächsmöglichkeit. Die Suizidabsicht muss offen, direkt und dennoch einfühlsam angesprochen werden (s.o.).
  • Betone die Bindungen im Leben des Gefährdeten und vor allem die Hoffnung auf eine zu erwartende Besserung. Versuche herauszustellen, was den depressiv erkrankten Menschen noch hält und bindet. Z.B. die Kinder, Verwandte, Lebenspartner, Freunde oder der Beruf.
  • Gibt es auch eine innere eigene Hoffnung? Kann es wieder besser werden? Gibt es Wünsche, für deren Erfüllung es sich zu leben lohnt?

Wenn Du im Gespräch soweit gekommen bist, dann sollten Fragen nach Veränderungen in der jetzigen Situation anstehen:

  • Was soll sich ändern?
  • Wie soll es sich ändern?
  • Wieviel Zeit gibt der Depressive sich?
  • Wieviel Hoffnung hat er?

Und hierbei dann auch Fragen nach Zukunftsperspektiven:

  • Wie soll es in einem Jahr im Leben des Betroffenen aussehen?

Versuche möglichst genau über die Vorstellungen des Depressiven zu sprechen. Stelle Fragen und höre aufmerksam zu.

Verhaltensregeln bei akuter Suizidgefahr

  • Suizidandrohungen müssen immer ernst genommen werden.
  • Du mußt nicht selbst Problemlösungen finden. Wichtiger ist das aufmerksame Zuhören und das ernsthafte und dennoch einfühlsame Nachfragen. Unterlasse gut gemeinte Ratschläge, Moralpredigten und Aufmunterungsversuche. Dies drängt den Gefährdeten lediglich tiefer in seine Ausweglosigkeit.
  • Teile Deine eigenen Gefühle bezüglich der Selbsttötungsabsicht ehrlich mit. Auch wenn Du dabei in Widerspruch zu den Äußerungen des Gefährdeten gerätst.
  • Nach einem Selbstmorversuch braucht der Depressive Ehrlichkeit, Offenheit und Respekt. Es wäre absolut falsch, den Versuch zu verheimlichen oder diesen als Versehen oder Unfall darzustellen. Auch wenn der Depressive eine Vertuschungsstrategie einschlägt, darfst Du ihn hierbei nicht unterstützen. Frage offen nach den Gründen und Problemen, welche die Situation scheinbar aussichtslos gemacht haben. Verberge dabei auf keinen Fall Deine eigenen Gefühle von Wut, Hilflosigkeit, Angst, Schuld und Liebe.
  • Solltest Du Dich durch den Selbstmordgefährdeten überfordert oder gar erpresst fühlen, zögere keine Sekunde, Dir Hilfe durch Außenstehende zu holen.
  • Zu Deiner eigenen, dringend notwendigen seelischen Entlastung ist es wichtig, mit vertrauten Personen über den Selbstmordversuch zu sprechen. Verheimliche diesen auf keinen Fall als "Schande".

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