Info-Center / Depressionen

 

 

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Hilfe durch Angehörige und Freunde

Einleitend sei erwähnt, dass hier eine sachliche Darstellung der Problematik erfolgt, die zu einem tieferen Verständnis führen sollte. Praktische Tips findest Du unter dem Menüpunkt "Soforthilfe". Auch die Verhaltensempfehlungen im Menüpunkt "Hilfe durch den Lebenspartner" sollten für Angehörige und Freunde unbedingt von Interesse sein. Darüber hinaus kannst Du den Betroffenen bei der Selbsthilfe tatkräftig unterstützen.

Übersicht:

 

Zum Verständnis

Normalerweise leidet nicht nur der an einer Depression erkrankte Mensch, auch seine Angehörigen und Freunde leiden direkt oder auch indirekt unter dieser Erkrankung.

Besonders schwierig wird es dann, wenn der depressiv Erkrankte auf die Zuwendungen seiner Angehörigen und Freunde nicht reagiert. Dies führt zu Irritationen und Fehlinterpretierungen, weil das zurückgezogene Verhalten des Depressiven oftmals als Missachtung verstanden wird. Leider entsteht dann eine Veränderung, die den Depressiven noch tiefer in den Rückzug und somit in die Isolation treibt.

Angehörige und Freunde müssen verstehen, dass der Depressive unter seiner Unfähigkeit, Gefühle auszudrücken, selbst am meisten leidet. Dies ist keine absichtliche Verweigerung, Lieblosigkeit oder gar Bösartigkeit. Es ist eine Störung, die Ausdruck und Bestandteil einer Depression ist.

Der depressiv Erkrankte benötigt viel Zeit für seine innere Arbeit, eine innere Suche nach der eigenen Orientierung. Eingriffe von außen, selbst gut gemeinte Versuche, werden ihm bei seiner persönlichen Suche kaum helfen. Diese innere Suche muß durch Freunde, Angehörige, Ärzte und Psychotherapeuten verstanden und durch geduldige Zuwendung unterstützt werden.

Der "Ist-Zustand"

Kaum ein anderes Krankheitsbild greift so tief in das Zwischenmenschliche ein, wie eine Depression. Durch den Umgang mit einem depressiv Kranken wird mithin fast jeder Mensch verunsichert, da die Kommunikation durch eine depressive Blockade nicht in gewohnter Form stattfinden kann.

Freunde und Angehörige erfahren, dass sie mit dem Depressiven nicht zurecht kommen, da sie ihn nicht erreichen können. Er reagiert nicht auf deren Ansprache und es erfolgt auch keine Reaktion, welche man von einem gesunden Menschen erwarten würde.

Angehörige und Freunde berichten oft, dass sie meinen, der Passivität des Depressiven aktiv begegnen zu müssen und sich nicht vorstellen können, wie es im Inneren des Erkrankten aussieht. Durch die Reaktionen des Depressiven werden viele erst einmal ärgerlich und fühlen sich anschließend dafür schuldig. So kommt es für das soziale Umfeld des Depressiven zu komplizierten inneren Verwicklungen, welche durchaus eine Ähnlichkeit (allerdings nicht so schwerwiegend) mit den inneren Zuständen des Depressiven selbst haben.

Studien haben bewiesen, dass damit zu rechnen ist, dass die Depression jeden nahestehenden Menschen (mehr oder weniger) in Mitleidenschaft ziehen kann. Irgendwann fühlen sich Angehörige und Freunde nach jedem Kontakt mit dem Depressiven ähnlich erschöpft, leer und verwirrt wie der Kranke selbst. Man könnte hier fast von einer "Gefühlsansteckung" reden.

Falscher Umgang

Die mit der Depression einhergehende emotionale Blockade ist verbunden mit der Unfähigkeit, etwas wie gewohnt zu tun. Das Nichtkönnen wird oftmals als Nichtwollen interpretiert.

Daher ist es wichtig, sich immer wieder Klar zu machen, dass es beim Depressiven eben nicht um Nichtwollen, sondern um Nichtkönnen geht!

Aber auch Überfürsorglichkeit kann die Gesundung eines depressiv Erkrankten negativ beeinflussen, da sie die Entwicklung von Eigeninitiative und Selbstverantwortlichkeit unterdrücken. Die Depression ist keine Geisteskrankheit, sondern eine Gemütskrankheit. Der Erkrankte ist (auch wenn er schweigt) nicht entmündigt !

  • Depressive Kommunikation

    Die normale Reaktion ist eine Schutzreaktion. Angehörige und Freunde schützen sich durch Kritik und Kontrolle des Depressiven. So schaffen sie sich eine Umgebung, in welcher sie sich vermeindlich sicher fühlen, weil sie den Kranken und auch die eigenen Gefühle auf diese Art und Weise gut beherrschen können. Dies führt jedoch fast immer zu einer Blockade der Kommunikation und schließlich zu einem "Teufelskreis", welcher keine Lösungsmöglichkeit zulässt.

Richtiger Umgang

Der Depressive ist kein hilfloser oder grundsätzlich lebensunfähiger Mensch. Er braucht Unterstützung im Sinne von Aktivierung und Bestätigung. Er darf durch überbeschützendes Verhalten nicht zusätzlich behindert werden.

Angehörige und Freunde sollten demnach auch auf keinen Fall Einfluss auf therapeutische Maßnahmen auszuüben versuchen. Der Erkrankte, Angehörige und Arzt / Therapeut sollten sich in einem gemeinsamen Ziel unterstützen.

  • Antidepressive Kommunikation

    Erst aus dem Prozess der Identifikation mit dem Depressiven wird ein gestaltendes Eingreifen möglich. Erst wenn man sich vorstellen kann, welche Leere der Kranke in sich empfindet, erst wenn man dieses Gefühl nachvollziehen kann, wird man Verständnis finden. Identifikation bedeutet jedoch nicht Mitleid oder mitleiden, sondern Mitgefühl. Freunde und Angehörige von depressiven Menschen finden in der Übertragung der Gefühle einen Zugang zum Verständnis des Kranken. Dadurch, dass sie jetzt selbst erfahren und spüren, wie sich der Betroffene fühlt, können sie nun mitfühlend helfen und den "Teufelskreis" depressiver Kommunikation unterbrechen.

Was Du zur Verbesserung der Kommunikation mit einem depressiven Freund oder Angehörigen praktisch unternehmen kannst, findest Du im Menüpunkt "Soforthilfe".

Dieses Thema findet Ihr auch im Forum als PDF-Datei zum Herunterladen.

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