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In der medikamentösen Behandlung der Depression gab es in den letzten Jahren enorme Fortschritte. Wirkung zeigt die medikamentöse Therapie, wenn die Kernsymptome Antriebshemmung, Stimmungseinengung, innere Unruhe und Tagesschwankung vorliegen. Tagesschwankungen sind am deutlichsten als Durchschlafstörung zu erkennen.
Diese Symptomverbindung weist auf eine Neurotransmitter-Störung des Gehirns hin. Eine Psychotherapie kann angeschlossen werden, wenn diese Symptome abgeklungen sind.
Bereits lange bevor die ersten Antidepressiva in den fünfziger Jahren auf den Markt kamen, versuchten Ärzte, die Krankheitszeichen der Depression mit Opiaten oder verschiedenen alkoholischen Rezepturen zu lindern. Keine dieser Methoden zeigte jedoch eine längerfristige Wirkung. Heute stehen Ärzten und Patienten zahlreiche wirksame Arzneimittel zur Behandlung der Depression zur Verfügung.
Wichtig ist, dass Depressionen trotz medikamentöser Behandlung nicht „über Nacht“ verschwinden. In der Regel lässt sich der Erfolg einer Pharmakotherapie erst nach einigen Wochen endgültig beurteilen. Ist in dieser Zeit mit einem bestimmten Medikament keine spürbare Besserung der Symptome zu erzielen, wird ein anderes Medikament mit einem anderen Wirkprofil eingesetzt. Die heute angewandten Substanzen sind bei schweren Depressionen in 70 bis 80 Prozent der Fälle innerhalb eines Zeitraumes von fünf bis acht Wochen wirksam. Was die Ursache dafür ist, dass 20 bis 30 Prozent der Patienten erst viel später, seltener oder auch gar nicht ansprechen, kann mit den derzeit verfügbaren klinischen Methoden nicht festgestellt werden.
Die bekanntesten Antidepressiva lassen sich in drei Gruppen einteilen:
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1. Selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI)
Die Selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmer werden bei Depressionen heute am häufigsten eingesetzt. Sie haben meist weniger Nebenwirkungen als trizyklische Antidepressiva und wirken bereits nach einer Einnahmedauer von 2 bis 3 Wochen. Sie beruhen auf dem Wirkungsmechanismus der relativen selektiven Wiederaufnahme-Hemmung von Serotonin an der präsynaptischen Membran, wodurch eine „relative“ Erhöhung des Botenstoffs Serotonin erzielt wird.
Sie blockieren gezielt die Wiederaufnahme von Serotonin an den Kontaktstellen der Nervenzellen. Wegen dieser Zielgerichtetheit beeinflussen sie andere Neurotransmitter praktisch überhaupt nicht oder nur wenig. Die verschiedenen Wirkstoffe dieser Medikamentengruppe unterscheiden sich vor allem in der Stärke, mit der sie sich an die Serotonin-Rezeptoren des Gehirns zu binden vermögen.
Serotonin wird bei seiner Erniedrigung in den Stoffwechselvorgängen im Gehirn für die Pathogenese von Depressionen aber auch von Manien und Obsessionen – sprich Zwangshandlungen – verantwortlich gemacht. Daher werden SSRIs auch erfolgreich gegen Zwangs- und Angstzustände eingesetzt bzw. bei Kombinationen mit Depressionen. Da Serotonin auch bei anderen neural vermittelten Prozessen im ganzen Körper eine Rolle spielt, wie zum Beispiel Verdauung und Gerinnung des Blutes, resultieren daraus auch die typischen Nebenwirkungen, durch Interaktion in andere neural gesteuerte Prozesse.
SSRIs werden seit ca. 1986 eingesetzt, seit 1990 sind sie die am häufigsten verschriebene Klasse von Antidepressiva. Wegen des nebenwirkungsärmeren Profils, vor allem in Bezug auf Kreislauf und Herz, sind sie sehr beliebt. Häufige Nebenwirkungen sind jedoch sexuelle Dysfunktion und/oder Anorgasmie. Diese bilden sich zwar einige Wochen nach Absetzen oder Wechsel des Medikaments fast immer vollständig zurück, können jedoch zu zusätzlichem (Beziehungs-)Stress führen.
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Wirkungslosigkeit bei einigen Patienten
Forscher der Duke University haben herausgefunden, dass es möglicherweise eine Genmutation gibt, die SSRI unwirksam macht. Bei depressiven Patienten ist zehnmal häufiger als bei gesunden Kontrollpersonen ein mutiertes Gen vorhanden, das für einen Serotonin-Mangel im Gehirn sorgt. Patienten mit dieser Mutation reagieren schlecht auf die gewöhnlich verschriebenen Antidepressiva, die über Serotonin wirken. Bei einigen zeigten die SSRI gar keine Wirkung. Bei anderen mussten Höchstdosen gegeben werden. Die Patienten sprechen jedoch auf atypische Antidepressiva an.
2. Trizyklische Antidepressiva
Die trizyklischen Antidepressiva wurden bis zum Aufkommen der Serotoninwiederaufnahmehemmer am häufigsten verschrieben. Hauptnachteil sind deren Nebenwirkungen (z. B. Mundtrockenheit, Verstopfung, Müdigkeit, Muskelzittern und Blutdruckabfall). Bei älteren und bei durch Vorerkrankungen geschwächten Menschen ist daher Vorsicht geboten. Zudem wirken einige Trizyklika häufig zunächst antriebssteigernd und erst danach stimmungsaufhellend, wodurch es zu einem höheren Suizidrisiko in den ersten Wochen der Einnahme kommen kann. In den USA müssen seit kurzem aber auch SSRIs einen diesbezüglichen Warnhinweis tragen.
3. Monoaminooxidasehemmer (MAO-Hemmer)
„MAO-Hemmer“ hemmen das Enzym Monoaminooxidase (MAO). Es ist dafür verantwortlich, dass die Neurotransmitter im Gehirn abgebaut werden. Ist das Enzym blockiert, bleibt die Konzentration der Neurotransmitter länger erhalten.
MAO-Hemmer und trizyklische Antidepressiva waren bis 1980 die wichtigsten Medikamente.
MAO-Hemmer wirken durch das Blockieren des Enzyms Monoaminooxidase. Dieses Enzym spaltet Amine wie Serotonin und Noradrenalin – also Botenstoffe im Gehirn – und verringert dadurch deren Verfügbarkeit zur Signalübertragung im Gehirn.
MAO-Hemmer werden in selektive und nicht-selektive MAO-Hemmer unterteilt. Selektive reversible Inhibitoren der MAO-A hemmen nur den Typ A der Monoaminooxidase. MAO-B hemmende Wirkstoffe werden in erster Linie als Parkinson-Mittel eingesetzt. Nichtselektive irreversible MAO-Hemmer hemmen MAO-A und MAO-B.
Monoaminooxidasehemmer gelten als gut wirksam. Allerdings müssen Patienten, die nichtselektive, irreversible MAO-Hemmer einnehmen, eine strenge, tyraminarme Diät halten. In Verbindung mit dem Verzehr bestimmter Lebensmittel, wie z. B. Käse und Nüssen, kann die Einnahme von nichtselektiven irreversiblen MAO-Hemmern zu einem gefährlichen Blutdruckanstieg führen.
Weitere Antidepressiva
Weitere Präparate sind Noradrenalin-Serotonin-selektive Antidepressiva (NaSSA, Wirkstoff Mirtazapin – ein tetrazyklisches Antidepressivum), Duales Serotonerges Antidepressivum (DSA, Wirkstoff Nefazodon), Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI, Wirkstoffe Venlafaxin und Duloxetin; ferner Milnacipran), Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (NARI, Wirkstoff Reboxetin; ferner Atomoxetin), Serotonin-Wiederaufnahmeverstärker (SRE, Wirkstoff Tianeptin), Serotonin-Modulatoren (Wirkstoff Trazodon), selektive Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (NDRI, Wirkstoff Bupropion). Von historischer Bedeutung ist auch der Einsatz von Opiaten.
Neuroleptika
Bei therapieresistenten Depressionen werden in einigen Fällen Neuroleptika wie zum Beispiel Olanzapin eingesetzt.
Phasenprophylaxe und Augmentation
Speziell bei manisch-depressiven Störungen wird zur Phasenprophylaxe und als Wirkungsverstärker anderer Antidepressiva zudem Lithium eingesetzt. Nachteil der Lithiumtherapie ist die nötige ständige Überwachung des Lithiumspiegels im Blut, da Über- und Unterdosierung hier nahe beieinander liegen. Alternativ können Stimmungsstablisatoren wie Lamotrigin, Carbamazepin und Valproinsäure gegeben werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Gabe von Schilddrüsenhormonen, im Regelfall also die Gabe von Thyroxin. Daneben können auch bestimmte Neuroleptika wie Olanzapin oder Chlorprothixen oder synergistische Antidepressivakombinationen zur Prophylaxe und Wirkungsverstärkung gegeben werden. Stimulanzien wie Methylphenidat, Pemolin, Modafinil und Dexamfetamin werden bei therapieresistenten Depressionen zur Augmentation der Antidepressiva verwendet.