Info-Center / Therapien

Zur Behandlung der Depression kann ein breites Spektrum psychotherapeutischer Verfahren wirksam eingesetzt werden. In der ambulanten Versorgung stehen vor allem die von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannten psychotherapeutischen Ansätze im Vordergrund. Hierzu gehören in Deutschland die Analytische Psychotherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die Verhaltenstherapie. In der Schweiz wie auch in Österreich ist ein viel breiteres Spektrum an Methoden / psychotherapeutischen Ansätzen zugelassen. So z. B. auch die Integrative Therapie, die Gestalttherapie, sowie verschiedene Gesprächs- und Körper-Psychotherapeutische Ansätze, etc.
Pharmako- und Psychotherapie sind derzeit die beiden wichtigsten Säulen, auf denen eine erfolgreiche Depressionsbehandlung ruht. Da die Ursachen der Depression psycho-biologischer Natur sind, muss die Therapie sowohl auf psychologisch als auch auf biologisch begründeten Methoden basieren. Die Entwicklung von pharmakologischen und psychologischen Methoden zur Behandlung depressiver Störungen zählt seit etwa drei Jahrzehnten zu den produktivsten und aktivsten Forschungsgebieten der klinischen Psychologie und Psychiatrie.
Die verhaltenstherapeutische Behandlung der Depression basiert heutzutage in der Regel auf der Kognitiven Verhaltenstherapie, wobei der Fokus darauf gerichtet ist, die depressionsauslösenden Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen, um sie anschliessend Schritt für Schritt zu verändern. Außerdem wird der Patient zu größerer Aktivität motiviert, um sowohl seine persönlichen Verstärkermechanismen wieder zu aktivieren als auch die erwiesenen positiven Wirkungen größerer körperlicher Aktivität auf die Stimmung zu nutzen.
Dagegen konzentrieren sich die tiefenpsychologisch orientierten Methoden darauf, die Einsicht in unbewusste Konflikte zu ermöglichen. Häufig entstehen diese schon in der Kindheit. Psychische Probleme und die daraus resultierende Verhaltensweisen können daraufhin bearbeitet werden. Zu den psychoanalytisch begründeten Verfahren gehören auch Kurzzeitpsychotherapien wie die Interpersonelle Psychotherapie. In gruppentherapeutischen Verfahren wird versucht, die Tendenz zum Rückzug zu überwinden, die verringerten Interaktionsmöglichkeiten zu bessern und die oft reduzierte Fähigkeit, Hilfe in Anspruch zu nehmen, zu fördern. Auch die Angehörigen können in die Therapie einbezogen werden. Rollenspieltechniken können unter anderem helfen, den eigenen, oft eingeengten und festgefahrenen Blick zu überwinden.
Wie Psychotherapie wirkt, wird unterschiedlich erklärt. Neuere Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass bei einer Psychotherapie möglicherweise die gleichen biologischen Mechanismen ablaufen wie bei der Behandlung mit Medikamenten. Dies zeigte sich bei Versuchen mit Ratten: Die Depressionsforscher züchteten Tiere mit einer genetischen Anfälligkeit für Depression. Wurden die Ratten Stressoren ausgesetzt (beispielsweise einem elektrischen Reiz), zeigten die Tiere typische Symptome der Krankheit: etwa Appetitlosigkeit, Schlafstörungen und mangelndes Fortpflanzungsinteresse. Bei der Analyse einer bestimmten Hirnregion – dem an Lernvorgängen beteiligten Hippocampus – der „depressiven“ Nager fanden die Wissenschaftler auffällige biochemische Veränderungen. Im Hippocampus waren im Vergleich zu gesunden Tieren zu viele Bindungsstellen (Rezeptoren) für den Botenstoff Noradrenalin vorhanden. In einem weiteren Versuch behandelten die Wissenschaftler die depressiven Ratten mit antidepressiven Medikamenten. Die Krankheitszeichen besserten sich daraufhin und die Anzahl der Noradrenalin-Rezeptoren verringerte sich. Andere Tiere behandelten die Forscher nicht mit Medikamenten, sondern mit einer Art „Verhaltenstherapie“, während der die Tiere lernten, sich dem Stressor – dem unangenehmen elektrischen Reiz – aktiv zu entziehen, indem sie auf ein Podest sprangen. Das verblüffende Ergebnis: Auch nach dieser „Verhaltenstherapie“ ging die Zahl der Noradrenalin-Rezeptoren zurück. Medikamente und Psychotherapie bewirken nach diesen Experimenten also die gleichen biochemischen Änderungen im Gehirn.
Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass die Verarbeitung unterdrückter Gefühle auch durch eine Selbsttherapie funktionieren kann. Die psychotherapeutischen Verfahren können mithin sowohl als einzige Therapie als auch in Kombination mit einer Pharmakotherapie eingesetzt werden.