
Vorwort
Bevor Du diesen Krisen-Notfallplan liest oder nutzen möchtest, möchten wir Dir noch einige Anmerkungen mit auf den Weg geben.
Dieser Plan unterscheidet zwischen einer reinen Selbsthilfe und einer Notfallphase in der Krise.
Er soll Dir Wege und Möglichkeiten aufzeigen, wie Du dir selber helfen kannst, aber auch eine Hilfe sein wenn andere Menschen oder Institutionen Dich in deiner Situation unterstützen. Diese Vorgaben sollen Dich animieren, einen eigenen Plan nach Deinen individuellen Bedürfnissen zu erstellen.
Der Plan wurde von verschiedenen Mitgliedern einer Selbsthilfegruppe für Depressionserkrankte Menschen erarbeitet. Wichtig ist uns Dich darauf aufmerksam zu machen, diesen Plan nicht zum ersten mal in einer akuten Krisensituation zu benutzen. Vielmehr ist es ratsam, diesen Plan mit Deinen Angehörigen, Freunden, Deinem Arzt oder Therapeuten zu besprechen und individuell auf Deine Bedürfnisse und Möglichkeiten abzustimmen. Erstelle diesen Plan in einer krisensicheren Phase, da in der Krise die Gedanken oftmals nicht klar sind und Du Dich ansonsten unnötig überforderst und damit sogar noch tiefer in die Krise rutschen kannst.
Wir hoffen, dass dieser Plan Dir eine Hilfestellung ist, besser auf Deine Bedürfnisse zu achten und im Krisenfall einen geeigneten Weg aus dieser Situation zu finden. Wenn Du erkannt hast, dass Dein Handeln einem Verhaltensmuster folgt, kannst Du auch die geeigneten Gegenmaßnahmen entwickeln und einen Fahrplan erarbeiten, an dem Du Dich wieder aus der Krise heraushangeln kannst. Vielen Menschen vor Dir hat diese strukturierte Vorgehensweise schon geholfen, verschiedenste Krisensituationen zu meistern und zu bewältigen.
Wie erkenne ich, dass ich in eine Krisensituation komme?
Estelle Deine persönliche Liste an Frühsymptomen. Erarbeite diese - wenn möglich - mit Hilfe Dir nahe stehenden Personen, die Dich gut kennen und Dein Verhalten gut beurteilen können.
Frühsymptome können sein
- Schlafstörungen in jeder Form (Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen, Tag- / Nachtrythmusstörungen, immer nur Schlafen wollen…)
- Konzentrationsstörungen
- Innere Unruhe
- Angstzustände (Gedanken über Gefahren, die nicht real oder aktuell sind)
- Reizbarkeit
- Niedergeschlagenheit
- Sich dauernd erschöpft fühlen
- Antriebslosigkeit (keine Lust irgendetwas zu machen, selbst Zähneputzen nicht)
- Appetitlosigkeit oder gar Heißhungerattacken
- Kein Interesse oder Freude an etwas haben
- Sich wertlos fühlen
- Sozialer Rückzug, sich nicht mehr mit Freunden treffen, alles wird zuviel, das Interesse geht verloren
- innere Blockaden, seine Arbeit nicht mehr schaffen
- wichtige Dinge einfach aufschieben oder einfach gar nicht erledigen (Post nicht öffnen)
- körperliche Symptome, wie z.B. Verdauungsstörungen, Kreislaufprobleme, Schmerzen etc.
Gedanken, wie:
- ich bin durcheinander
- hört das jemals auf?
- innere Leere
- alle Menschen sind rücksichtslos
- mein Leben ist sinnlos
- ich fürchte mich
- keiner mag mich
- Freundschaft bedeutet den Menschen nichts mehr
- ich tauge zu gar nichts
- ich bin an allem schuld
- wozu soll ich überhaupt noch aufstehen?
- ich kann meine Gefühle nicht ausdrücken
- Hoffnungslosigkeit
Diese Liste soll eine Anregung darstellen. Vversuche Deine individuellen Symptome
herauszufinden. Wann geht es bei Dir los, wann setzt bei Dir die Abwärtsspirale ein? Wenn es Dir gelingt hier Dein Umfeld und Dich selbst dafür zu sensibilisieren, dann kann der Abwärtstrend besser unterbrochen werden.
Eine Vorlage für Deinen individuellen Notfallplan findest Du im Forum.
Schaue Dir nun bitte die Menüpunkte "Selbsthilfe" und "Hilfe durch andere Menschen" an.

